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10.06.2018

Der glückliche Zufall führt zu Entdeckungen: Ein kurzes Portrait von Sir James Fraser Stoddart

Das Wort „serendipity“ gehört vermutlich nicht zum aktuellen Wortschatz vieler Nicht-Englisch-Muttersprachler. Manche übersetzen es mit "eine edle Variante von "Glück gehabt"", aber der Definition nach bedeutet es "die Fähigkeit oder das Phänomen, wertvolle oder angenehme Dinge zu finden, nach denen man nicht gesucht hat" - ein Phänomen, das zu vielen technologischen Durchbrüchen geführt hat und den meisten Wissenschaftlern früher oder später begegnet - aber man spricht meist nicht gern darüber.

Nicht so Sir James Fraser Stoddart. Der Nobelpreisträger für Chemie von 2016 erkennt das Konzept des glücklichen Zufalls in der Wissenschaft ohne Vorbehalte an, denn, so sagt er, "noch ist wissenschaftliche Entdeckung nicht vorhersehbar". In einem Interview aus dem Jahr 2007 für das Universitätsjournal der UCLA erklärte er, wie er seinen Beruf sieht: "Als Chemiker wie als Künstler kann man Objekte erschaffen, die niemand vorher gemacht hat, und sie dann auf ihre Eigenschaften und Funktionen hin untersuchen."

Die Objekte, die er erschafft, machen auf jeden Fall einen künstlerischen Eindruck: Dreidimensionale komplexe Strukturen aus ineinander verschachtelten Molekülen. Was daran so besonders ist? Die Moleküle sind nicht chemisch miteinander verbunden, sondern greifen mechanisch intereinander. So können sich Teile dieser Strukturen gegeinander bewegen. Im Fall der "Rotaxane", die Sir Fraser Stoddart entwickelt hat, ist ein Molekülring auf eine dünne molekulare Achse aufgefädelt und kann sich an ihr entlangbewegen.

Aber Stoddart sah nicht nur die Schönheit in dieser wissenschaftlichen Leistung, er dachte darüber hinaus: Wonach sieht das aus? Wie kann man eine solche Struktur nutzen? So entwickelte er unter anderem einen molekularen Fahrstuhl, einen molekularen Muskel und einen molekülbasierten Computerchip.

Andere Strukturen können ebenfalls verblüffende Eigenschaften entwickeln, wenn sie miteinander interagieren. Sir Fraser Stoddart hat über die Jahre eine Reihe von Beispielen veröffentlicht, bei denen aus Mischungen von interagierenden Molekülen überraschende Effekte entstanden. Cyclodextrin-MOFs (metal-organic frameworks) sind nur ein Beispiel, wo aus der Kombination zweier Komponenten eine dramatische Änderung der Eigenschaften entsteht. "Die Zeit ist gekommen, sich auf Komplexität einzulassen", wurde Sir Fraser Stoddart zitiert - und er tut das auf jeden Fall.

Diese Einstellung in Verbindung mit Offenheit und unkonventionellem Denken über das Molekül hinaus haben ihm nicht nur wissenschaftliche Ehren eingebracht, er hat auch eine Reihe von Unternehmen in so unterschiedlichen Bereichen wie Kosmetik und Metallrückgewinnung mit gegründet.
Wollen auch Sie sich von Sir James Fraser Stoddart inspirieren lassen? Dann kommen Sie zur Eröffnungssitzung der ACHEMA 2018 am Montag, 11. Juni 2018, 11 Uhr im CongressCenter der Messe Frankfurt.

Kategorie: #Besucher

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