ACHEMA Newsroom

14.06.2018

Der Mensch steht im Mittelpunkt, auch in der digitalisierten Welt

Digitalisierung, Internet of Things, Industrie 4.0 – die Stichworte sind in aller Munde, auch und gerade auf der ACHEMA 2018. Ohne digitale Techniken geht in der Industrie nichts mehr, aber „Wo bleibt der Mensch?“ Unter diesen Titel stellte infraserv Höchst die sechste Ausgabe der perspectives am 13. Juni auf der ACHEMA.

Der Philosoph und Publizist Richard David Precht benutzt statt Industrie 4.0 lieber den Begriff „second machine age“. In der ersten industriellen Revolution haben Maschinen den Menschen das Leben erleichtert und viele neue Arbeitsplätze geschaffen. In der zweiten industriellen Revolution ersetzen nun Algorithmen die menschliche Arbeitsleistung. Precht postuliert, dass sich die Gesellschaft dadurch radikal verändern wird. Wenn Millionen von Arbeitsplätzen wegfallen, sei ein Grundeinkommen unumgänglich. Anders sei ein politischer Flächenbrand, ausgelöst durch unzufriedene Arbeitslose, nicht zu verhindern. Ein Grundeinkommen widerspräche zwar unserer historischen Vorstellung von der Leistungsgesellschaft, würde aber die Arbeitsmotivation steigern.
Damit Menschen mit den diesen gesellschaftlichen Umbrüchen zurechtkommen, brauche es Selbstbefähigung und der Grundstein dafür müsse bereits in der Schule gelegt werden. Precht fordert ein Bildungssystem, das die intrinsische Motivation stärker fördert und mehr auf individuelle Neigungen eingeht.

Unzufrieden mit dem Bildungssystem ist auch der Unternehmer Michael Heraeus; seine Unzufriedenheit äußert sich konstruktiv in der Heraeus Bildungsstiftung, mit der er schon seit 1965 die Weiterbildung von Lehrern fördert. Er sagt „wenn der Staat etwas nicht tut, müssen wir es selbst machen“. Das Selbermachen hat aber sogar bei ihm Grenzen. Er fragt sich, wie denn die Digitalisierung überhaupt funktionieren soll, wenn es in Deutschland nicht einmal flächendeckend schnelles Internet gibt.
Die duale Ausbildung preist Francesco Grioli von der Industriegewerkschaft BCE (Bergbau, Chemie, Energie). Er ist überzeugt davon, dass dieses deutsche Alleinstellungsmerkmal auch hilft, im Zeitalter der Digitalisierung zu bestehen - „die deutsche Industrie muss so viel besser sein, wie andere billiger sind“ sagt er dazu. Weiterhin fordert er statt eines Heimatministeriums ein Digitalministerium.
Ihren praktischen Umgang mit der Digitalisierung stellten Oliver Croenenberg von Sanofi, Sjef Arets von DSM und Henrik Hahn von Evonik vor. Auf der Agenda haben das Thema alle Unternehmen, auch diskutiert und geplant wird schon viel, aber Konkretes hatte nur DSM vorzuweisen: hier hat man erkannt, dass das Know-how nicht bei den Führungskräften liegt sondern bei den Mitarbeitern. Seitdem werden nicht mehr nur Top-Manager gefördert, sondern viel mehr Wert auf die Talente eines jeden Einzelnen gelegt

Kategorie: #Besucher

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