ACHEMA Newsroom

29.06.2018

Nachhaltige Wertschöpfung in der Chemie

Ein Tandemvortrag auf der ACHEMA veranschaulichte die produktive Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie bei der Erforschung nachhaltiger Rohstoffe.

Die negativen Auswirkungen einer auf fossilen Rohstoffen basierenden Wirtschaft werden immer deutlicher, insbesondere durch die Treibhausgasemissionen. Eine Verbreiterung der Rohstoffbasis kann Teil der Lösung sein, die die Umwelt schont. Deshalb arbeiten Wissenschaftler intensiv daran, nicht-fossile Ressourcen zu erschließen. Die Entwicklung umweltfreundlicher Verfahren und Materialien wollen sie durch kohlenstofffreie Technologien voranbringen und damit eine Verbesserung der Ökobilanz entlang der gesamten Prozesskette erreichen.

Der Tandemvortrag „Sustainable Chemical Value Chains: New Perspectives for Sector Coupling” am Messe-Mittwoch zeigte auf, wie strategische Partnerschaften von Industrie und Wissenschaft diese Entwicklung voranbringen können. Walter Leitner, Professor an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen und am Max Planck Institut für chemische Energiekonversion, sowie Markus Steilemann, Vorstandsvorsitzender der Covestro AG, arbeiten auf dem genannten Feld intensiv zusammen. Die RWTH und der Werkstoffhersteller Covestro betreiben gemeinsam das Katalysezentrum CAT, in dem die Nutzung von Kohlendioxid als Rohstoff für die Kunststoffindustrie erforscht wird. Eine zentrale Rolle spielt dabei die so genannte Sektorkopplung: Damit soll überschüssige Energie aus erneuerbaren Quellen in Bereichen jenseits der Energiewirtschaft genutzt werden, beispielsweise zur Erzeugung von Wärme oder Kälte, für den Transportsektor oder für innovative chemische Prozesse.

„Die Chemieindustrie hat schon immer darüber nachgedacht, woher sie den Kohlenstoff für ihre Produkte bekommt“, sagte Leitner. Die Forschungsarbeit mit Covestro zeige jetzt vielversprechende Ergebnisse: In einem neuen Verfahren entsteht Kunststoff aus CO2, aus dem klimaschädlichen Kohlendioxid wird ein wertvoller Rohstoff. Das spart laut Leitner einen Teil des bislang eingesetzten Erdöls ein.

Bereits seit 2016 nutzt Covestro Kohlendioxid als Baustein für hochwertige Kunststoffe, erläuterte Covestro-Chef Steilemann. Einen kohlendioxidbasierten Weichschaum hat das Unternehmen bereits auf den Markt gebracht, er wird in Matratzen verwendet. Ein Schwerpunkt der weiteren Forschungsarbeit liege jetzt auf CO2-basiertem Polyurethan-Hartschaum für die Wärmedämmung von Gebäuden. Darüber hinaus arbeitet der Hersteller von Hightech-Polymerwerkstoffen an der Entwicklung von nachhaltigeren Polyurethan-Lackrohstoffen auf Basis nachwachsender Ressourcen, die eine Verbesserung der Kohlenstoffbilanz von Herstellern und Anwendern ermöglichen. Für sein innovatives Verfahren, mit dessen Hilfe Anilin aus Pflanzen anstatt aus Erdöl hergestellt werden kann, wurde Covestro im Juni 2018 mit einem Innovationspreis der deutschen Regierung und der Wirtschaft ausgezeichnet.

Die Referenten dankten dem Bundesministerium für Bildung und Forschung für die Förderung ihres Projektes zur Erforschung kohlenstofffreier Technologien und für die Bereitstellung des notwendigen Rahmes für die Grundlagenforschung. Durch die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie sei man auf einem guten Weg bei der Erschließung nicht-fossiler Rohstoffe. Steilemann fügte abschließend hinzu: Notwendig seien ein weiterhin innovationsfreundliches Klima, ein gut finanziertes und strukturiertes Innovationssystem sowie Mut, Neugier und Vielfalt.

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