ACHEMA Newsroom

06.06.2018

Sulfotools: Peptidsynthese für die Zukunft

Die Sulfotools GmbH wurde im März 2016 von einem dreiköpfigen interdisziplinären Darmstädter Wissenschaftlerteam gegründet, das von einer klaren Vision angetrieben wird: Die Entwicklung der Peptidsynthese für die Zukunft.

Bisher zehntausende Tonnen organischer Lösungsmittel

Peptide sind Biomoleküle, die aus einer Kette von bis zu 100 verknüpften Aminosäuren bestehen. Langkettige Peptide (ab 100 Aminosäuren) werden als Proteine bezeichnet. Peptide sind elementare Komponenten in allen lebenden Systemen mit vielzähligen biologischen Eigenschaften. Während Proteine mit gentechnologischen Verfahren produziert werden, wird der weitaus größte Teil der am Markt befindlichen Peptide u.a. aus Gründen der Kostenökonomie chemisch-synthetisch mittels der sogenannten Festphasen-Peptidsynthese (SPPS: solid-phase peptide synthesis) hergestellt. Dabei wird das gewünschte Peptid schrittweise an  einer festen Phase aufgebaut.

Jährlich benötigt die Peptid-Industrie dafür zehntausende Tonnen giftiger, umweltschädlicher und in Einkauf und Entsorgung teurer organischer Lösungsmittel. Zudem ist der Einsatz solcher Lösungsmittel mit erheblichen Gesundheits- und Umweltrisiken assoziiert; DMF (N,N-Dimethylformamid), das bei der Peptidsynthese am häufigsten als organisches Lösungsmittel zu Einsatz kommt, ist toxisch und teratogen. Die Einstufung als fruchtschädigende Chemikalie führt dazu, dass in der industriellen Produktion von Peptiden fast ausschließlich Männer eingesetzt werden. Der Umgang mit derartigen toxischen Lösungsmitteln erfordert für das Personal spezielles Equipment und Vorkehrungen, Sicherheitsschulungen sind zwingend erforderlich. Versuche, die Nutzung organischer Lösungsmittel zu reduzieren oder ganz auf sie zu verzichten sind bislang gescheitert.

"Clean Peptide Technology" setzt auf Wasser

Durch die Verwendung der proprietären Clean Peptide Technology (CPT) von Sulfotools können die bisher benötigten giftige organische Lösungsmittel während der Peptidherstellung durch Wasser ersetzt und die notwendigen Chemikalienüberschüsse deutlich reduziert werden. Zusätzlich umfasst die Technologie ein effizientes Aufreinigungskonzept und eine simple Abwasseraufbereitung. Dies ermöglicht nicht nur Kosteneinsparungen von bis zu 50 %, sondern ebenfalls die Herstellung von lösungsmittelfreien Endprodukten, was insbesondere bei dem Einsatz in Kosmetika von großer Bedeutung ist. Die Vorteile der nachhaltigen Produktion können direkt an den Endverbraucher kommuniziert werden. Zusätzlich kann durch den Verzicht auf die umweltschädlichen Lösungsmittel die Menge an Sondermüll verringert werden, ebenso wie die Belastungen für Mensch und Umwelt.

Gesucht: Risikokapitalgeber und strategische Partner

Um eine maximale Wertsteigerung der revolutionären Technologie zu erreichen, ist das Team aktuell auf der Suche nach Risikokapitalgebern und strategischen Partnern.

Der „Proof of Principle“ der Clean Peptide Technology wurde im Labor erbracht und das Verfahren patentrechtlich geschützt. Der kommerzielle „Proof of Principle“ wurde im Rahmen von erfolgreichen wasserbasierten Peptidsynthesen mit renommierten industriellen Kunden durchgeführt, wodurch bereits erste Einnahmen generiert wurden. Aktuell arbeitet das Team von Sulfotools an dem Scale-up und an der Übertragung der Technologie in andere Bereiche der Chemie. Finanziert wurde das Gründungsvorhaben bis Mitte Mai 2017 über den EXIST-Forschungstransfer I und seit Anfang September 2017 über den EXIST-Forschungstransfer II.

Durch die erfolgreiche Positionierung von Sulfotools, u.a. im Rahmen des Science4Life Venture Cups 2015 als Gewinner in der Konzeptphase und als 2. Platzierter in der Business Plan Phase, sowie durch die Auszeichnung mit dem StartGreen Award 2015 in der Kategorie Gründungskonzept und dem German Brand Award 2017, Winner Industry Excellence in Branding, Chemical Industry, wurde substantielles Interesse potentieller Kunden und Lizenznehmer aus dem CMO-Bereich sowie von Herstellern von Chemikalien und Bausteinen für die Peptidsynthese geweckt.

Geschäftsführer der Firma sind die beiden Chemiker Dipl.-Ing. Sascha Knauer und Dr.-Ing. Christina Uth. Der dritte Gründer ist der im Bereich der Peptidsynthese führende Prof. Dr. Harald Kolmar. Er bringt seine über zwanzigjährige wissenschaftliche und unternehmerische Erfahrung als Beirat der Gesellschaft ein. Zusätzlich werden die Gründer von den beiden Chemikern Dr. Niklas Koch und Simon Englert, M. Sc., im Bereich Forschung und Entwicklung sowie in der Produktion unterstützt.

www.sulfotools.com

Kategorie: #Ausstellung

« zurück zur Übersicht