05.10.2020 | Spotlight

Und wo bleibt das Popcorn?

Virtuelle Events haben ihre Vorteile, aber auch ihre Tücken

Anfangs mögen Sie eine leichte Irritation verspürt haben. Nach dem ersten Login in das anscheinend sehr komfortable Ausstellungs-Backend wurde sie abgelöst durch... Erleichterung? Einen Anflug von Begeisterung? Einen Ausstellungsstand zu organisieren, besonders, wenn er „nur” am Rande einer wissenschaftlichen Konferenz steht, kann schließlich ganz schön mühsam sein:

Ein Konzept entwickeln, das die Ansprüche aller Abteilungen berücksichtigt („mein Produkt muss prominent platziert werden” – „mein Flyer muss ganz vorne liege” – „wo soll denn das Computer-Terminal für meine Produktvorstellung stehen?”); mit dem unbefriedigenden Möbelangebot zurechtkommen (warum gibt es eigentlich keine bequemen Stühle / Prospektständer, in denen man die Flyer sieht und nicht irgendwo herauswühlen muss / Tische, die ein bisschen was hermachen?); mit dem Standbauer feilschen; Experten als Standbesatzung verpflichten, die eigentlich ihre Kaffeepause viel lieber mit ihren Kollegen verbringen möchten; sich darüber aufregen, dass der eigene Stand anscheinend der einzige ist, der beim Aufbau vergessen wurde oder bei dem das Firmenlogo verkehrt herum angebracht wurde...

"Schließlich ist die Organisation eines Messestandes ziemlich mühsam."

Statt all dessen ein paar Tage im Büro, an denen man den coolen virtuellen Stand gestaltet (den man sich in echt nie leisten könnte), und während der Veranstaltung vom bequemen Bürosessel aus mit den Teilnehmern chatten, statt die Vorbeigehenden zu einem Standbesuch animieren zu müssen, klingt doch wirklich gut!

Die Zeit vergeht, und die Begeisterung wird einem Stresstest unterzogen: Das sehr coole Standdesign liegt nach dem Versuch, die eigenen Grafiken hinein zu photoshoppen, in Trümmern; die Hochglanzbroschüre auf dem Spezialpapier, das sich so gut anfasst, sieht als pdf nicht halb so gut aus. Außerdem wäre es schon nett, ein Exponat zu haben, das man tatsächlich anfassen, ausprobieren oder mit dem man spielen kann. Und dann war da letztes Jahr dieser Riesenerfolg mit der Popcornmaschine, die die Leute in Scharen an den Stand geführt hat – Sie konnten so viele neue Kontakte knüpfen zu Menschen, die man auf einer virtuellen Plattform nie angeschrieben hätte.

Der Veranstaltungstag rückt näher, der Stand sieht nicht halb so toll aus wie im Promo-Video des Plattformanbieters, aber alles, was Sie zeigen wollten, ist da und bereit zum Herunterladen. Es sind auf jeden Fall auch interessante Teilnehmer da, und man kann sogar mit ein paar Leuten sprechen, die sich sonst nie auf die Reise gemacht hätten.

Sie verlassen das virtuelle Gelände also ganz zufrieden – und doch, nachts darauf träumen Sie von dem nicht so coolen Ausstellungsstand mit den grässlichen Möbeln, an dem Sie gerne mit echten Menschen Ihre Gedanken und Ihr Popcorn geteilt hätten.

Autorin

Kathrin Rübberdt

kathrin-ruebberdt[at]dechema.de

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