01.11.2021 |

Interview mit Miguel Angel Fernandez | Siemens

Die Prozessindustrie wird von einer Reihe neuer Technologien angetrieben. Miguel Angel Fernandez, Vizepräsident für den Vertrieb der Siemens AG, über Automatisierung, Simulation und Digitalisierung.

Miguel Angel Fernandez ist seit 2008 für den Vertrieb in der chemischen Industrie zuständig. Zu seinem Portfolio gehören Automatisierungssysteme, Feldinstrumentierung und Digitalisierung. Hier antwortet er auf sechs kurze Fragen zu einer Reihe von Themen.

ACHEMA Inspire: Wie wichtig ist im Moment der Fokus auf der Digitalisierung?  

  • __Miguel Fernandez: Als Unternehmen wachsen wir mit einem starken Schwerpunkt auf dem Softwaregeschäft. Vor einigen Jahren haben wir begonnen, unsere technischen Daten in unsere Prozesssteuerungsdaten zu integrieren. Wir haben vor Kurzem ein Unternehmen für die Simulation der Prozesskinetik gekauft, nämlich PSE [den führenden Anbieter von APM-Software], sodass wir jetzt Daten aus verschiedenen Systemen mit der Simulation austauschen und somit einen digitalen Zwilling der Anlage für den Kunden erstellen können. Und das alles ist Teil eines Weges, den wir vor Jahren eingeschlagen haben, sodass wir für den Kunden nicht bei den Grundlagen beginnen müssen. Auch die Kunden haben viele Digitalisierungsprojekte gestartet. Die Herausforderungen liegen im Detail und in der Vielzahl von Anwendungsfällen und Ansätzen.

ACHEMA Inspire: Glauben Sie, dass die Erwartungen der Kunden gestiegen sind?

  • __Miguel Fernandez: Ja, definitiv. Wir gehen dies auf verschiedenen Ebenen der Beratung an und sind in operativer Hinsicht sehr erfolgreich. Wir stellen Fragen wie zum Beispiel: „Wie führe ich die Arbeit in der Produktionsstätte auch wirklich aus? Was sind die besten Alternativen? Was ist der Maßstab für die Deckung des Bedarfs?“ Das ist der Ausgangspunkt für die Erwartungen unserer Kunden. Und wir haben ein Portfolio, das zeigt, dass wir verstanden haben, wo die Herausforderungen liegen und wohin die zukünftige Entwicklung geht. Damit qualifizieren und etablieren sie sich als Partner für die Zukunft. Es wird erwartet, dass wir Simulationen, hoch entwickelte Engineering-Tools, künstliche Intelligenz und vieles mehr abdecken, denn die Kunden müssen sehen, dass man diese Themen anspricht, damit sie auch in Bezug zu ihren Bedürfnissen auswählen können.

ACHEMA Inspire: Können Sie zusammenfassen, wo Sie auf dieser digitalen Reise stehen?

  • __Miguel Fernandez: Das ist keine einfache Frage, da ich nicht weiß, wie schnell sich die Entwicklung in den nächsten zehn Jahren vollziehen wird, aber ich glaube, dass wir viele Dinge im Bereich der Technik und der Simulation abgedeckt haben und Anwendungen mit künstlicher Intelligenz und Asset Management entwickeln. Das ist ein weites Feld, und ich glaube, es wird noch mehr kommen. Wir werden uns in diesem Bereich weiterentwickeln, denn die Kunden sind immer mehr an Vorhersagen und Antizipationen interessiert, denn wenn etwas nicht funktioniert, wollen sie auch wissen, warum.
    Ich würde sagen, dass wir in dieser Hinsicht schon recht weit fortgeschritten sind. Wir wollen ein Ökosystem schaffen, in dem Kunden die passenden Digitalisierungselemente zu einer Gesamtlösung zusammenbringen können.

 ACHEMA Inspire: Würden Sie sagen, dass Simulation und KI Ihrer Meinung nach jetzt in den Vordergrund rücken?

  • __Miguel Fernandez: Die Karrieremuster haben sich verändert. Die Menschen wollen nach ein paar Jahren weiterziehen, somit ändert sich auch die Wissensakkumulation. Das bedeutet, dass man die Anlage mit intelligenteren Systemen betreiben muss. Die Simulation spielt eine wichtige Rolle, denn sie ermöglicht, Änderungen vorzunehmen und deren Auswirkungen zu bewerten, ohne die reale Anlage zu berühren. Sie spart Kosten, erfasst aber auch große Teile des Wissens.
    Wir brauchen Systeme, die Anomalien und Fehlfunktionen vorhersehen und ihre Auswirkungen im Voraus verstehen können und wissen, warum sie auftreten. Was ist das Muster, das zu diesen führt? Wie kann die zukünftige KI beispielsweise ein Gasleck vorhersagen?

ACHEMA Inspire: Und worin sehen Sie Gefahren?

  • __Miguel Fernandez: Cybersicherheit ist sehr wichtig, da sowohl die IT (elektronische Datenverarbeitung) als auch die OT (Hard- und Software-Infrastruktur) geschützt werden müssen. Es ist auch wichtig, dies mit dem gesamten Personal zu erreichen. Es wird viele Veränderungen in den Unternehmen geben, und es sollen alle miteinbezogen werden. Die Gefahr besteht darin, dass Lösungen nicht akzeptiert werden. Sie müssen selbst ihre Lösungen sein, nicht etwas, das ihnen von oben auferlegt wird. Wir können großartige Lösungen haben, aber wenn das Personal sie nicht mag oder sie nicht anwenden, sind sie wertlos.

ACHEMA Inspire: Gibt es in Ihrem Unternehmen eine Kultur des Zuhörens?

  • __Miguel Fernandez: Ich bin stolz darauf, dass wir das tun. Wie ich schon sagte, haben wir diese Reise schon vor Jahren begonnen, und das Management ist sehr zukunftsorientiert. Wir sehen, dass viele Veränderungen in der Wirtschaft und in der Industrie auf uns zukommen, die sich auf uns auswirken werden, und das Management hört zu, um sie anzugehen und zu verstehen.
    Meine Rolle bei der Betreuung vertikaler Chemikalien ist im Laufe der Jahre gewachsen, da das Management immer mehr auf die Besonderheiten der verschiedenen Branchen hört.

    Miguel Fernandez wird auf der Pulse am 16. Juni einen Vortrag zum Thema „Chemie wird zyklisch - Schließung des Kreislaufs für eine nachhaltige Zukunft“ halten.

| Originalversion veröffentlicht in ACHEMA Inspire, Juni 2021 / Deutsche Übersetzung DECHEMA Ausstellungs-GmbH. |

Autor

Richard Burton

Editor / World Show Media

www.worldshowmedia.net

Schlagwörter in diesem Artikel:

#digitalisation, #simulation, #automatisation

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