24.07.2026 | Pharma Innovation

Blockbuster, Barrieren, Bots: Welche Trends beim Verpacken von Arzneimitteln wichtig werden

Abnehmpräparate sind die neuen Blockbuster, gleichzeitig verlangen Biologika, Onkologika sowie Zell- und Gentherapien kleinere Chargen und schnellere Wechsel. Und der EU-GMP-Annex 1 verschärft den Druck zusätzlich: Manuelles Handling gerät unter Rechtfertigungszwang. Damit rücken Robotik, Cobots und KI-gestützte Assistenzsysteme näher an den aseptischen Kern. Moderne Pharmaverpackungstechnik muss heute Hochleistung und Individualisierung zugleich beherrschen und dabei GMP-Compliance sicherstellen.

Die neuen Blockbuster der Pharmabranche kommen nicht mehr nur aus der Tablettenpresse. Sie stecken in Fertigspritzen, Karpulen, Pens und Autoinjektoren – und sie stellen die Verpackungstechnik vor eine Aufgabe, die sich widerspricht: Sie soll Millionen Dosen wirtschaftlich verarbeiten und zugleich auf kleine, hochpreisige Chargen vorbereitet sein. Hochleistung und Flexibilität, Standardisierung und Individualisierung, maximale Sicherheit und kurze Umrüstzeiten müssen heute in derselben Investitionsentscheidung zusammenfinden.

Damit hat sich die Ausgangslage seit der letzten ACHEMA deutlich verschoben. 2024 stand die Pharmaverpackung noch unter dem Eindruck der Covid-19-Pandemie: Vials, Impfstoffe, Kühlketten, schnelle Projektabwicklung und zusätzliche Kapazitäten dominierten die Diskussion. Auch heute wächst die Nachfrage nach Arzneimitteln weiter – doch die Wachstumsimpulse kommen aus sehr unterschiedlichen Richtungen.

Auf der einen Seite treiben GLP-1-Präparate gegen Diabetes und Adipositas völlig neue Volumenmärkte. Auf der anderen Seite gewinnen Biologika, Onkologika, hochpotente Wirkstoffe sowie Zell- und Gentherapien an Bedeutung. Viele dieser Produkte sind empfindlich, teuer, steril zu verarbeiten und werden in kleineren Chargen hergestellt. Hinzu kommt, dass sich der kommerzielle Erfolg neuer Therapien immer schwerer prognostizieren lässt. 

Die Konsequenz: Produktionsanlagen müssen heute wesentlich flexibler ausgelegt werden als noch vor wenigen Jahren. Was im Upstream mit variableren Herstellprozessen beginnt, setzt sich zwangsläufig im Downstream fort. Die Verpackung ist damit längst nicht mehr der letzte Schritt nach der Produktion, sondern entwickelt sich zu einem strategischen Bestandteil der pharmazeutischen Wertschöpfung.

Investitionen folgen neuen Regeln

Kein Wunder also, dass die Verpackungstechnik für Arzneimittel weiterhin zu den dynamischsten Segmenten des Pharmamaschinenbaus zählt. Nach Schätzungen von Grand View Research wächst der Markt für Pharmaverpackungsmaschinen von rund 7,5 Mrd. US-Dollar im Jahr 2026 auf knapp 12,7 Mrd. US-Dollar im Jahr 2033. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 7,8 %. MarketsandMarkets grenzt den Markt etwas breiter ab und prognostiziert für den Bereich Pharmaceutical Packaging Equipment ein Wachstum von 10,6 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025 auf 14,3 Mrd. US-Dollar bis 2030.

Die Zahlen unterscheiden sich im Detail, ihre Aussage ist jedoch eindeutig: Die Investitionen in Verpackungs- und Fill-&-Finish-Technologien wachsen schneller als der Pharmamarkt insgesamt. Der Grund liegt allerdings nicht mehr allein im zusätzlichen Produktionsvolumen. Der technische Aufwand steigt kontinuierlich. Annex-1-konforme aseptische Prozesse, Ready-to-use-Packmittel, digitale Dokumentation, Serialisierung, nachhaltigere Verpackungsmaterialien und der Wunsch nach höherer Anlagenverfügbarkeit treiben die Investitionen ebenso wie neue Therapieformen.

Der Markt wird dabei von wenigen international führenden Spezialisten geprägt. Unternehmen wie Syntegon, IMA, Bausch+Ströbel, Groninger oder Optima dominieren vor allem den Bereich aseptischer Primärverpackung und Fill-&-Finish-Systeme. Uhlmann, Schubert Pharma oder Harro Höfliger setzen ihre Schwerpunkte stärker bei Blister-, Kartonier- und Sekundärverpackungen sowie der Integration kompletter Verpackungsprozesse. Gemeinsam ist allen Herstellern, dass sie sich zunehmend vom klassischen Maschinenlieferanten zum Anbieter kompletter Produktionsplattformen entwickeln – einschließlich Software, Datenintegration und Lifecycle-Services.

Zusätzliche Dynamik erhält der Markt durch geopolitische Entwicklungen. Die USA fördern mit Investitionsprogrammen und angekündigten Zöllen auf Arzneimittelimporte den Aufbau lokaler Produktionskapazitäten. Gleichzeitig verfolgt die Europäische Union mit dem Critical Medicines Act das Ziel, die Versorgung mit kritischen Arzneimitteln wieder stärker in Europa abzusichern. Für Hersteller von Fill-&-Finish- und Verpackungstechnik bedeutet dies zusätzliche Investitionen in Produktionskapazitäten auf beiden Seiten des Atlantiks.

Flexible Abfüll- und Verpackungsprozesse werden zum Wettbewerbsfaktor

Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel bei Injektabilia. Bereits vor der Pandemie hatten Maschinenhersteller eine steigende Nachfrage nach Fertigspritzen registriert. Covid-19 sorgte zwischenzeitlich für ein Revival klassischer Vials, weil große Impfstoffmengen schnell verfügbar gemacht werden mussten. Inzwischen aber wächst die Bedeutung von Ready-to-use-Packmitteln wieder deutlich: RTU-Spritzen, RTU-Vials und Karpulen reduzieren Kontaminationsrisiken, erleichtern die Dosierung und passen zu einer Arzneimittelwelt, in der Selbstapplikation und patientenfreundliche Darreichungsformen wichtiger werden.

Der GLP-1-Boom verstärkt diesen Trend. Für Abnehmspritzen und Diabetesmedikamente werden hohe Stückzahlen in Pens, Karpulen oder Fertigspritzen benötigt. Gleichzeitig wollen viele Betreiber ihre Anlagen nicht ausschließlich auf ein einziges Produkt festlegen. Wer heute eine Linie bestellt, muss damit rechnen, dass in fünf Jahren ein anderes Format, ein anderer Füllprozess oder eine andere Therapieklasse im Vordergrund steht.

Noch schärfer wird dieser Zielkonflikt durch personalisierte Medizin. Bei solchen Produkten geht es um patientenspezifische Dosen mit extrem hohem Wert. Die Verpackungsmaschine wird damit zur Versicherung gegen eine unsichere Produktpipeline. Niemand weiß, ob morgen Millionen Spritzen oder wenige hundert patientenspezifische Einheiten gebraucht werden. Darauf reagieren Hersteller mit Plattformen und Produktfamilien: kleine, hochflexible Anlagen für klinische Chargen und personalisierte Therapien, mittlere Systeme für wechselnde Produkte sowie Hochleistungslinien für Volumenmärkte.

Diese Entwicklung zeigt sich inzwischen bei nahezu allen führenden Herstellern. Groninger verfolgt mit seiner flexcare-Plattform das Ziel, stabile aseptische Prozesse mit hoher Anpassungsfähigkeit zu verbinden. Harro Höfliger setzt auf Modulare Plattformen – von flexiblen Kartoniermaschinen über Cobot-gestützte Magazinbestückung bis hin zu Containment-Lösungen für hochaktive Wirkstoffe. Schubert Pharma wiederum adressiert die Sekundärverpackung mit Top-Loading-Technologie, TLM-Plattformen und skalierbaren Lösungen für unterschiedliche Formate und Leistungsbereiche.

Der Trend ist klar: Flexibilität wird nicht länger als Zusatzfunktion verstanden, sondern entwickelt sich zur zentralen Auslegungskategorie neuer Verpackungslinien.

Annex 1 macht Sicherheit zur Konstruktionsaufgabe

Noch stärker als 2023 prägt der überarbeitete EU-GMP-Annex 1 die technische Entwicklung. Damals war die Revision gerade finalisiert, heute wird sie in Audits und Inspektionen konkret ausgelegt – und nach Ansicht von Insidern deutlich schärfer, als von den meisten Arzneimittelherstellern erwartet. Für Betreiber bedeutet das: Sie müssen nicht nur erklären, warum ein Risiko beherrschbar ist. Sie müssen zunehmend zeigen, wie kritische Eingriffe technisch vermieden werden.

Damit verschiebt sich der Schwerpunkt in der aseptischen Primärverpackung. Handschuheingriffe im Isolator, manuelles Handling produktberührender Teile, offene Schleusenprozesse oder ungünstige Luftströmungen geraten unter Druck. Der Mensch, so hart das klingt, gilt im sterilen Kernprozess als größte Kontaminationsquelle. Die Antwort lautet: mehr geschlossene Systeme, mehr Automatisierung, mehr Robotik und mehr Monitoring.

Bausch+Ströbel beschreibt Annex 1 entsprechend als eines der aktuell zentralen Themen. Das Unternehmen hat Risikoanalysen für neue und bestehende Anlagen aufgebaut und bietet Kunden Workshops an, um mögliche Annex-1-Verletzungen zu identifizieren. Wo eine Abweichung nicht mehr wissenschaftlich begründbar ist, muss eine technische Lösung her – etwa durch geändertes Teilehandling, verbesserte Schleusenprozesse oder Umbauten bestehender Linien.

Damit entwickelt sich Annex 1 auch zum Investitionstreiber im Bestand. Denn viele pharmazeutische Anlagen laufen 20 oder 30 Jahre. Wer vor fünf Jahren bestellt hat, konnte die heutige Auslegung der Behörden oft noch nicht vollständig berücksichtigen. Nun müssen Betreiber zeigen, wie sie bestehende Linien schrittweise auf ein höheres Sicherheitsniveau bringen. Die Herausforderung ist dabei nicht nur regulatorisch, sondern wirtschaftlich: Mehr Technik erhöht die Investitionskosten, soll aber zugleich Abweichungen, Stillstände und Produktrisiken reduzieren.

Dabei bleibt Annex 1 keineswegs ein ausschließlich europäisches Thema. Zwar gehört das Regelwerk formal zum EU-GMP-Leitfaden, doch der nahezu identische PIC/S-Annex 1 dient inzwischen in zahlreichen wichtigen Pharmamärkten als Referenz für GMP-Inspektionen. Auch Behörden wie die FDA in den USA oder die japanische PMDA orientieren sich bei der Bewertung aseptischer Prozesse an vergleichbaren Grundprinzipien, und selbst China nähert seine Anforderungen an sterile Arzneimittel mittlerweile schrittweise an internationale Standards an. Für weltweit tätige Pharmaproduzenten bedeutet das: Verpackungslinien müssen heute nicht mehr nur nationale Vorschriften erfüllen, sondern einem zunehmend harmonisierten Verständnis aseptischer Produktion und Contamination Control standhalten.

Der Mensch verlässt den aseptischen Kernprozess

Die wohl sichtbarste Konsequenz dieser Entwicklung ist der Trend zum handschuhlosen Isolator. Was vor einigen Jahren noch wie ein Zukunftsbild wirkte, wird inzwischen in konkrete Linienkonzepte übersetzt. Der eigentliche Paradigmenwechsel besteht dabei weniger in der Robotik selbst als in der neuen Rolle des Bedieners. Künftig soll er den aseptischen Kernprozess möglichst gar nicht mehr betreten oder durch Handschuheingriffe beeinflussen müssen. Eingriffe werden vorbereitet, automatisiert oder vollständig außerhalb des Isolators durchgeführt.

Syntegon verfolgt diesen Ansatz mit der neuen Fill-&-Finish-Plattform SynTiso. Die Anlage kombiniert einen robotisierten Materialfluss mit kontaktloser Transporttechnik und verarbeitet RTU-Spritzen, Vials und Karpulen auf einer gemeinsamen Plattform. Nach Angaben des Unternehmens verkürzen sich der Chargenwechsel dadurch um bis zu 50 Prozent; gleichzeitig ermöglicht die vollständig integrierte In-Prozess-Kontrolle Ausbringungsleistungen von bis zu 600 Behältnissen pro Minute.

Ergänzt wird dieses Konzept durch RackSter, ein dampfsterilisierbares Multirack-Containment-System für den automatisierten Transfer steriler Teile in den Isolator. Bis zu 90 Prozent weniger Andockvorgänge bedeuten nicht nur kürzere Umrüstzeiten, sondern auch weniger manuelle Handhabung – und damit weniger Kontaminationsrisiko.

Auch Bausch+Ströbel treibt diese Entwicklung voran. Der Weg führt vom offenen Zugang über RABS und Isolator hin zu geschlossenen, robotergestützten Prozessen. Das gilt für kleine Chargen ebenso wie für Hochleistungslinien. Entscheidend ist nicht, überall dieselbe Technik einzusetzen, sondern den Menschen dort aus dem Prozess zu nehmen, wo er das größte Kontaminationsrisiko darstellt.

Robotik wird zur Basistechnologie

Damit verändert sich auch die Rolle der Robotik grundlegend. Lange Zeit beschränkte sie sich in der Pharmaverpackung auf klassische End-of-Line-Aufgaben wie Kartonieren, Palettieren oder das Einlegen von Produkten. Heute wandert sie Schritt für Schritt in den aseptischen Kernprozess. Dafür gibt es mehrere Gründe. Neben den gestiegenen Anforderungen des Annex 1 erschweren Fachkräftemangel und steigende Personalkosten den Betrieb klassischer Reinraumprozesse. Gleichzeitig führen kleinere Chargen und häufigere Produktwechsel dazu, dass Verpackungslinien robuster und schneller umrüstbar werden müssen.

Roboter übernehmen deshalb zunehmend Tätigkeiten, die bis vor wenigen Jahren ausschließlich Bedienpersonal vorbehalten waren. Sie entnehmen Spritzen aus RTU-Tubs, bewegen Behältnisse durch Isolatoren, setzen Stopfen, unterstützen kameragestützte Inspektionsprozesse oder automatisieren die Line Clearance. Der Gewinn liegt dabei weniger in höheren Taktzahlen als in reproduzierbaren Abläufen, geringerer Kontaminationsgefahr und einer konstanten Prozessqualität. 

IMA fasst diese Entwicklung unter dem Leitbild „Cognitive Manufacturing“ zusammen. Zuletzt präsentierte die Gruppe einen Ansatz aus autonomer Robotik, KI-gestützter Interaktion, digitalen Services und Materialentwicklung. Für den Pharmabereich ist vor allem TILE-X von IMA Life relevant: eine Fill-Finish-Linie für Ready-to-use-Komponenten auf Basis magnetischer Schwebetechnologie. Sie soll reibungsfreies Handling ohne Partikelgenerierung ermöglichen und vor allem bei hochwertigen Biopharmazeutika, ATMPs sowie in Zell- und Gentherapien zum Einsatz kommen.

Optima setzt an einem verwandten, aber oft unterschätzten Punkt an: Produktausbeute. Gerade bei teuren Biopharmazeutika und Orphan Drugs entscheidet nicht nur, wie schnell eine Linie läuft, sondern auch, wie viel Wirkstoff beim Anfahren, beim Formatwechsel oder durch ungünstiges Handling verloren geht. Mit dem formatteillosen Transportsystem FillCell adressiert Optima genau diese Frage. Ziel ist, Produktverluste beim Anfahren zu vermeiden und Packmittel flexibler durch die Maschine zu führen.

Gemeinsam ist diesen Entwicklungen ein grundlegender Perspektivwechsel: Robotik dient nicht mehr primär dazu, Personal einzusparen. Sie wird zur Schlüsseltechnologie, um aseptische Prozesse reproduzierbarer, sicherer und zugleich wirtschaftlicher zu gestalten.

Die Verpackungsmaschine lernt dazu

Während Robotik den physischen Prozess verändert, entwickelt sich parallel die digitale Ebene der Verpackungstechnik weiter. Vor drei Jahren standen häufig noch OEE-Visualisierung, Rezeptverwaltung, MES-Schnittstellen oder Bedienertraining im Vordergrund. Heute rücken digitale Zwillinge, Condition Monitoring, Assistenzsysteme und KI-gestützte Fehlerdiagnose näher an den Betrieb. Voraussetzung dafür sind zunehmend standardisierte Datenschnittstellen wie OPC UA oder PackML, über die Maschinen unterschiedlicher Hersteller interoperabel zusammenarbeiten können. Uhlmann zeigt mit dem PacXplorer gemeinsam mit SAP, wie Verpackungsmaschinen, digitale Zwillinge, Condition Monitoring, Smart Services und interoperable Datenräume in Geschäftsprozesse eingebunden werden können. Groninger stellt mit VisionX Pink ein digitales Ökosystem vor, das Maschinendaten transparent macht, Abweichungen frühzeitig sichtbar machen und den Bediener mit Digital Guidance unterstützen soll.

Nachhaltigkeit wird konkreter – aber bleibt reguliert

Parallel zu Robotik und Digitalisierung gewinnt ein weiterer Aspekt an Bedeutung: Nachhaltigkeit. Bereits im Vorfeld der ACHEMA 2024 zeichnete sich dieser Wandel ab. Inzwischen zeigt sich jedoch deutlicher, wie komplex das Thema in der Pharmaverpackung tatsächlich ist. Anders als bei Konsumgütern lassen sich Verpackungsmaterialien in der Pharmaindustrie nicht beliebig austauschen. Jede Änderung an Primärpackmitteln kann Auswirkungen auf Stabilität, Sterilität oder Zulassung eines Arzneimittels haben. Nachhaltigkeit beschränkt sich deshalb längst nicht mehr auf die Wahl eines neuen Materials. Sie umfasst die gesamte Verpackungskette – vom Packstoff über die Maschine bis hin zu Transport und Logistik.

Besonders sichtbar wird diese Entwicklung bei der Sekundärverpackung. Uhlmann verfolgt beispielsweise das Ziel, Kunststoff dort zu ersetzen, wo Papier den Produktschutz gleichermaßen gewährleisten kann. Mit den neuen Slim Cardboard Trays lassen sich Spritzen, Vials, Ampullen oder Autoinjektoren in deutlich kompakteren Kartontrays verpacken. Neben der Materialeinsparung erhöht sich nach Unternehmensangaben dadurch auch die Zahl der Produkte pro Palette um bis zu 60 Prozent. Weniger Material, kleineres Volumen und mehr Produkte pro Palette senken nicht nur CO2-Emissionen, sondern auch Transport- und Lagerkosten.

Auch bei Blistern bewegt sich der Markt. PP-Blister und Mono-PET-Folien sollen die Recyclingfähigkeit verbessern, ohne Stabilität, Barriereeigenschaften und Maschinengängigkeit zu gefährden. Uhlmann, Faller Packaging, Perlen Packaging und Etimex haben PP-Pharmablister auf einer Blistermaschine unter realistischen Bedingungen getestet. IMA demonstriert eine Hochgeschwindigkeits-Blisterverpackung auf Mono-PET-Film. Die Richtung ist klar: Nachhaltige Pharmaverpackung entsteht nicht durch ein einzelnes grünes Packmittel, sondern durch das Zusammenspiel von Material, Maschine, Prozessfenster, Validierung und Lieferkette.

Auch die Kennzeichnungstechnik entwickelt sich weiter. Nach Jahren, in denen Serialisierung und Fälschungsschutz im Vordergrund standen, rücken digitale und funktionale Mehrwerte stärker in den Fokus: NFC-Labels, RFID, batterielose Sensoren, elektronische Beipackzettel oder Smart Labels, die Lagerbedingungen und Temperatureinflüsse sichtbar machen. Die Verpackung wird so Teil der Qualitätssicherung bis zum Patienten.

Die Verpackung wird zum vernetzten Produktionssystem

Seit 2023 hat sich die Pharmaverpackungstechnik nicht neu erfunden, aber ihren Schwerpunkt deutlich verschoben. Aus der einstigen Kapazitätsfrage ist eine Systemfrage geworden: Neue Therapieformen, der GLP‑1‑Boom, personalisierte Medizin, Annex 1, Nachhaltigkeit und digitale Integration bestimmen heute die Agenda. Die Antworten der Maschinenhersteller sind modular, robotikgestützt, datenbasiert und zunehmend autonom.

Der Trend ist klar: Nicht mehr die einzelne Maschine entscheidet über die Leistungsfähigkeit einer Linie, sondern das Zusammenspiel aus Packmittel, Prozess, Robotik, Software, Daten und Service. Wo dieses Zusammenspiel steht, lässt sich 2027 aus erster Hand beurteilen: Auf der ACHEMA in Frankfurt sind handschuhlose Isolatoren, magnetische Transportsysteme, KI-gestützte Assistenz und Retrofit-Konzepte für den Bestand gebündelt zu sehen – nicht als Roadmap, sondern als lauffähige Technik. Für Betreiber wird die Messe damit zum Prüfstand einer einfachen Frage: Welche Plattform sichert eine Investition ab, wenn niemand vorhersagen kann, ob morgen Millionen Pens oder einige hundert patientenindividuelle Dosen die Linie durchlaufen?

Autor

Armin Scheuermann

Chemieingenieur und freier Fachjournalist

Schlagwörter in diesem Artikel:

#biopharmazeutika, #digitalisierung, #gmp, #pharma, #robotertechnik, #nachhaltigkeit

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